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Worum es in dieser Folge geht
Diesmal ist es eine reale Katastrophe aus London. Am 17. Oktober 1814 platzt in der Horse Shoe Brewery an der Tottenham Court Road ein riesiges Fass Porter. Eine Flutwelle aus Bier stürzt in eines der ärmsten Viertel der Stadt, acht Menschen sterben.
London 1814 und St. Giles
Napoleon hat abgedankt, London feiert, aber die Brotpreise sind doppelt so hoch wie zwanzig Jahre zuvor. Direkt hinter der Brauerei liegt St. Giles Rookery, ein Elendsviertel voller irischer Einwanderer, die oft in feuchten Kellern hausen.
Der Wettstreit der Fässer
Die Londoner Porterbrauer überbieten sich mit immer größeren Holzfässern, die als Sehenswürdigkeit gelten. Henry Meux lässt in der Horse Shoe Brewery Fässer mit rund 6,7 Metern Höhe bauen, gehalten von schweren Eisenreifen.
Der Nachmittag des 17. Oktober
Lagerverwalter George Crick bemerkt, dass ein Eisenreifen abgerutscht ist. Sein Vorgesetzter meint, es werde schon nichts passieren. Etwa eine Stunde später birst das Fass, reißt ein zweites mit und drückt die Rückwand der Brauerei ein. Eine Welle von bis zu 4,5 Metern läuft in die New Street und die George Street.
Die acht Toten
Alle Opfer sind Frauen und Kinder. Fünf sterben bei einer irischen Totenwache für den zweijährigen John Saville, darunter seine Mutter Ann. Die 14-jährige Eleanor Cooper wird im Hof des Tavistock Arms von der einstürzenden Mauer erschlagen.
Legenden, Urteil und Steuergeschenk
Mit Hilfe des Bierhistorikers Martyn Cornell trenne ich Belegtes von Erfundenem: keine Massenbesäufnisse auf der Straße, kein neuntes Opfer durch Alkoholvergiftung, kein Aufruhr im Krankenhaus. Das Gericht spricht von höherer Gewalt, die Brauerei bekommt die Biersteuer erstattet, die Familien bekommen nichts. Heute steht dort das Dominion Theatre, ohne Gedenktafel.
Häufige Fragen
Was war die Londoner Bierflut?
Am 17. Oktober 1814 platzte in der Horse Shoe Brewery in London ein großes Fass Porter und löste eine Kettenreaktion aus. Die Bierwelle zerstörte Häuser im Viertel St. Giles und tötete acht Menschen.
Wie viel Bier lief bei der Bierflut aus?
Die Schätzungen reichen von etwa 580.000 bis 1,47 Millionen Litern. Am häufigsten genannt werden rund 1,24 Millionen Liter.
Wurde die Brauerei für die Bierflut bestraft?
Nein. Die Coroner-Jury sah einen Unglücksfall, der als höhere Gewalt galt. Die Brauerei erhielt sogar rund 7.250 Pfund bereits gezahlter Biersteuer zurück.
Haben sich die Leute nach der Bierflut betrunken?
Dafür gibt es keinen zeitgenössischen Beleg aus London. Die Geschichte stammt aus einer Provinzzeitung neun Tage später. Die Londoner Presse lobte dagegen die ruhige Menge.
Über diese Folge
London, 17. Oktober 1814, halb sechs abends: Ein Eisenring löst sich von einem riesigen Holzfass in einer Brauerei mitten in der Stadt – und löst damit eine Katastrophe aus, die bis heute kaum jemand kennt. Innerhalb von Sekunden ergießen sich über eine Million Liter dunkles Porter-Bier durch die Gassen eines der ärmsten Viertel Londons. Häuser werden weggespült, Keller geflutet, Mauern eingerissen. Acht Menschen sterben – darunter fünf Frauen und Kinder, die gerade bei der Totenwache eines zweijährigen Jungen saßen.Was dann passiert, ist fast noch unglaublicher als die Flut selbst: Die Brauerei wird freigesprochen. Der Staat erstattet ihr sogar die Steuern. Die Familien der Toten gehen leer aus.In diesem Video schauen wir uns an, was wirklich passiert ist – und was davon Legende ist. Denn um diese Geschichte ranken sich über die Jahre immer wildere Gerüchte: von Massenbesäufnissen auf der Straße bis zu Krankenhausaufständen. Wir trennen Fakt von Fiktion, tauchen ein in das London des frühen 19. Jahrhunderts und fragen: Wessen Leben galt damals eigentlich etwas?Eine Geschichte über Bier, Armut und die Frage, wer in einer Katastrophe zur Verantwortung gezogen wird – und wer nicht.