Was ist ein Troll?
Im Altnordischen ist trǫll ein weiter Begriff. Er kann Riesen meinen, Zauberkundige, Gespenster oder einfach etwas Unheimliches, das nicht zur menschlichen Welt gehört. Der Isländer Ármann Jakobsson hat gezeigt, wie offen das Wort im Mittelalter war. Erst in der späteren norwegischen Volksüberlieferung wird daraus die bekannte Gestalt: groß, alt, dumm oder listig, mit Wohnung im Berg.
Merkmale
- Versteinerung: Trifft ein Troll das Sonnenlicht, wird er zu Stein. Viele Berge und Felsen an der norwegischen Küste gelten als versteinerte Trolle, etwa in der Sage um Torghatten und die Sieben Schwestern.
- Kirchenglocken: Trolle ertragen das Läuten nicht und ziehen weg, sobald eine Kirche gebaut wird.
- Wechselbälger: Trolle sollen Menschenkinder aus der Wiege gestohlen und eigene Kinder hineingelegt haben.
Herkunft und Quellen
Die großen Sammlungen entstanden nach 1814, als Norwegen sich von Dänemark löste und nach einer eigenen Kultur suchte. Andreas Faye veröffentlichte 1833 seine Norske Folke-Sagn, ab 1841 folgten die Norske Folkeeventyr von Peter Christen Asbjørnsen und Jørgen Moe. Asbjørnsen trennte dabei Märchen (eventyr) und Sagen (sagn), also Erzählungen zum Vergnügen und solche, die man für wahr hielt. Das heutige Bild des Trolls prägten die Zeichnungen von Theodor Kittelsen und Erik Werenskiold.
Was die Forschung sagt
Reidar Th. Christiansen hat die norwegischen Wandersagen 1958 katalogisiert, darunter die Versteinerungs- und Kirchensagen. Die Kirchenglocken lassen sich als Bild für das Verdrängen des Vorchristlichen lesen. Der Wechselbalg-Glaube war ein Erklärungsmuster für Kinder, die krank waren oder sich anders entwickelten, mit oft grausamen Folgen für diese Kinder; D. L. Ashliman hat das aufgearbeitet. Dass der übermächtige Troll fast immer verliert, passt zu Geschichten, die von kleinen und machtlosen Leuten erzählt wurden.
Folgen zum Thema
- Trolle, Teil 1: Warum Norwegens Berge Gesichter haben (Märchenstunde)
- Trolle, Teil 2: Warum Norwegens mythische Riesen immer verlieren müssen
Literatur
- Ármann Jakobsson: The Troll Inside You, 2017.
- Andreas Faye: Norske Folke-Sagn, 1833.
- Peter Christen Asbjørnsen, Jørgen Moe: Norske Folkeeventyr, ab 1841.
- Reidar Th. Christiansen: The Migratory Legends, 1958.
- Oscar J. Falnes: National Romanticism in Norway, 1933.