Was ist eine Weiße Frau?
In vielen deutschen Sagen erscheint eine Frau in weißem Gewand, meist in Schlössern, an Wegkreuzungen oder im Wald. Häufig kündigt sie einen Tod an. Die bekannteste ist die Weiße Frau der Hohenzollern, die sich im Berliner Schloss gezeigt haben soll, bevor ein Mitglied der Familie starb. Oskar Schwebel hat diese Überlieferungen 1878 in Die Sagen der Hohenzollern gesammelt. Jacob Grimm stellte die weißen Frauen in seiner Deutschen Mythologie in die Nähe von Gestalten wie Frau Holle und Perchta.
Die Weiße Frau im Ebersberger Forst
Der Ebersberger Forst östlich von München ist eines der größten geschlossenen Waldgebiete Deutschlands. An der Staatsstraße 2080, bei der Hubertuskapelle, soll nachts der Geist einer Radfahrerin stehen, die nach einem Unfall mit Fahrerflucht im Wald gestorben sei. Sie winkt Autos heran, steigt ein und ist plötzlich verschwunden. In manchen Fassungen greift sie ins Lenkrad.
Einen solchen Unfall gibt es in keiner Akte. Die Geschichte folgt einem weltweit bekannten Muster, das der Folklorist Jan Harold Brunvand 1981 als „Vanishing Hitchhiker“ beschrieben hat, den verschwindenden Anhalter. Das Besondere an Ebersberg ist, dass man hier eine Sage fast in Echtzeit entstehen sieht, verbreitet über Lokalpresse und Internet.
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Literatur
- Jan Harold Brunvand: The Vanishing Hitchhiker. American Urban Legends and Their Meanings, 1981.
- Oskar Schwebel: Die Sagen der Hohenzollern, 1878.
- Johann Georg Theodor Grässe: Sagenbuch des Preußischen Staats, Bd. 1.
- Jacob Grimm: Deutsche Mythologie.