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Hänsel und Gretel waren Mörder? Die Satire, die halb Deutschland glaubte (Grimm Serie 4/5)

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Über diese Folge

Hänsel und Gretel waren in Wahrheit zwei erwachsene Bäcker, die 1647 im Spessart eine Konkurrentin ermordeten, um an ihr Lebkuchenrezept zu kommen. So stand es 1963 in einem Buch, das halb Deutschland glaubte. Nur: Es war eine Satire von Hans Traxler. In Folge 4 meiner Grimm-Serie geht es um erfundene Ursprünge: von der Bakkerhexe über das Lohrer Schneewittchen, das als Aprilscherz am Stammtisch begann und heute auf Autobahnschildern steht, bis zur Frage, warum die Schwalm sich Rotkäppchenland nennt. Und darum, warum Märchen unbedingt eine Adresse brauchen.

📚 Quellen und weiterführende Literatur

Hans Traxler: Die Wahrheit über Hänsel und Gretel. Die Dokumentation des Märchens der Brüder Grimm. Frankfurt am Main: Bärmeier & Nikel, 1963 (Neuausgabe Stuttgart: Reclam, 2007). → Die Satire selbst. Die Neuausgabe enthält einen Anhang zur Entstehung und zu den Reaktionen.

Hänsel und Gretel: Mit falschem Bart. In: Der Spiegel, 7. Juli 1964. → Zeitgenössischer Bericht über Traxlers Buch und seine Wirkung.

Wolfgang Vorwerk: Das „Lohrer Schneewittchen“. Zur Fabulologie eines Märchens. In: Christian Grandl / Kevin J. McKenna (Hrsg.): Bis dat, qui cito dat. Festschrift für Wolfgang Mieder. Frankfurt am Main u. a.: Peter Lang, 2015, S. 491–503. → Die detaillierte Entstehungsgeschichte des Lohrer Schneewittchens, von einem Mitglied des Lohrer Kreises. Online über die Stadt Lohr abrufbar.

Karlheinz Bartels: Schneewittchen. Zur Fabulologie des Spessarts. Lohr am Main, 1986 (2. Aufl. 2012). → Die „fabulologische“ Originalschrift.

Bernhard Lauer: Wem gehört „Schneewittchen“? Ein Beitrag zur Verortung von Märchenstoffen und zur Herausbildung von Stereotypen. In: Hessische Blätter für Volks- und Kulturforschung 44 (2009), S. 390–425. → Der volkskundliche Blick auf die Orte, die Schneewittchen für sich beanspruchen.

Eckhard Sander: Schneewittchen. Märchen oder Wahrheit? Ein lokaler Bezug zum Kellerwald. Gudensberg-Gleichen: Wartberg, 1994. → Die These zu Margaretha von Waldeck und Bergfreiheit.

Hans Moser: Vom Folklorismus in unserer Zeit. In: Zeitschrift für Volkskunde 58 (1962). → Der Aufsatz, der den Begriff Folklorismus in die Volkskunde einführte.

Vanessa Joosen: Critical and Creative Perspectives on Fairy Tales. An Intertextual Dialogue between Fairy-Tale Scholarship and Postmodern Retellings. Detroit: Wayne State University Press, 2011. → Mit einer Analyse von Traxlers Buch als „fiktivem Sachtext“. (Englisch)

Christine Shojaei Kawan: Innovation, Persistence and Self-Correction: The Case of Snow White. In: Estudos de Literatura Oral 11–12 (2005–2006), S. 237–252. → Zur internationalen Überlieferung von Schneewittchen und ihren Lokalisierungen. (Englisch)
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