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Worum es in dieser Folge geht
In Japan gibt es ein ganzes Segment des Wohnungsmarkts, das auf dem Tod aufgebaut ist: Jiko Bukken, Wohnungen, in denen Menschen gewaltsam oder unbemerkt gestorben sind. In dieser Folge mache ich eine Wohnungsbesichtigung und frage, warum die Angst vor diesen Orten in Japan so tief sitzt.
Was eine Wohnung zur Todeswohnung macht
Juristisch heißt es „Immobilie mit psychologischem Mangel“. Seit Richtlinien vom Oktober 2021 macht ein natürlicher Tod eine Wohnung nicht mehr zur Jiko Bukken. Bei Mietwohnungen muss ein Todesfall etwa drei Jahre lang offengelegt werden, bei schweren oder bekannten Fällen länger, bei Kaufimmobilien grundsätzlich. Manche Vermieter umgehen das mit kurz eingesetzten Zwischenmietern.
Warum die Angst so tief sitzt
Drei Traditionen kommen zusammen: Im Shintō gilt der Tod als stärkste Form von kegare, ritueller Unreinheit, die ansteckend ist. Im Buddhismus können Menschen, die unter großem Leid sterben, zu hungrigen Geistern werden. Und der japanische Geisterglaube kennt die an ihren Sterbeort gebundenen Jibakurei und die rachsüchtigen Onryō. Anders als im westlichen Horror kommt das Grauen in die eigene Wohnung.
Oshimaland
Die Website Oshimaland, 2005 von Oshima Manabu gegründet, verzeichnet über 50.000 Adressen und hat sehr viele Besucher am Tag. Gleichzeitig ziehen solche Wohnungen Studierende, pragmatische junge Leute und Investoren an, weil sie deutlich günstiger sind. Eine Studie aus Hongkong fand Wertverluste von durchschnittlich rund 20 Prozent, selbst Nachbarwohnungen verloren an Wert.
Fälle
Ich spreche über den Mordfall von Zama 2017, das bis heute ungelöste Verbrechen an der Familie Miyazawa in Setagaya im Jahr 2000, einen Witwer in Nagoya, der 26 Jahre lang die Tatortwohnung weitermietete und so zur Aufklärung beitrug, und den Fall Sogen Kato, der 2010 als ältester Mann Tokios galt, aber seit Jahrzehnten tot war.
76.000 einsame Tode
2024 veröffentlichte die japanische Polizei erstmals umfassende Zahlen: über 76.000 Menschen starben in diesem Jahr allein zu Hause, die meisten über 65. Steigende Immobilienpreise und eine wachsende Zahl stigmatisierter Wohnungen verändern, wie junge Menschen auf diese Orte blicken. Filme wie Jiko Bukken: Kowai Madori von Hideo Nakata und Autoren wie Matsubara Tanishi, der in mindestens 17 solcher Wohnungen gelebt hat, haben das Thema populär gemacht.
Häufige Fragen
Was ist eine Jiko Bukken?
Eine japanische Immobilie, in der ein Mensch gewaltsam, durch Suizid oder unentdeckt gestorben ist und die deshalb offengelegt werden muss.
Muss ein Vermieter in Japan einen Todesfall angeben?
Seit den Richtlinien von 2021 bei Mietwohnungen in der Regel für etwa drei Jahre, bei schweren oder bekannten Fällen und beim Verkauf auch länger.
Mehr im Lexikon: Jiko Bukken.
Über diese Folge
Stell dir vor, du ziehst in eine neue Wohnung ein – günstig, gute Lage, frisch renoviert. Und dann erfährst du, was dort passiert ist.
In Japan gibt es eine eigene Kategorie für Immobilien, in denen Menschen gestorben sind: Jiko Bukken – Wohnungen, in denen Morde begangen wurden, Menschen einsam verwesten, oder Selbstmorde stattfanden. Und es gibt eine Website mit über 50.000 solcher Adressen, täglich besucht von Hunderttausenden Menschen.
In dieser Folge tauchen wir tief in ein Phänomen ein, das weit mehr ist als eine Horrorgeschichte: Es ist ein Spiegel einer ganzen Gesellschaft. Wir sprechen über den Twitter-Killer von Zama, der neun Menschen in seiner Kühlbox lagerte. Über das Setagaya-Familienmassaker, das seit 25 Jahren ungelöst ist und dessen Tatort rund um die Uhr bewacht wird. Über einen Mann, der 26 Jahre lang Miete für die blutbefleckte Wohnung seiner ermordeten Frau zahlte – und damit zur Aufklärung des Falls beitrug. Und über Tokyos „ältesten Mann“, der seit drei Jahrzehnten tot auf seinem Bett lag, während seine Familie weiter seine Rente kassierte.
Dahinter stecken Jahrtausende japanische Kulturgeschichte: Kegare, die Unreinheit des Todes im Shintoismus. Onryō, rachsüchtige Geister, die jeden angreifen. Und eine Gesellschaft, in der 76.000 Menschen pro Jahr allein sterben – und niemand es merkt.
Willkommen bei Blanker Horror. Heute machen wir eine Wohnungsbesichtigung.