Blanker Horror

Folklore, Mythen und Sagen – und wer sie erzählt

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Kikimora: Slawische Sagengestalt mit vielen Gesichtern: Helfer, Monster, betörende Frau. Die Analyse

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Worum es in dieser Folge geht

Ein Kratzen hinter dem Ofen, zerbrochenes Geschirr, nasse Fußspuren in einem trockenen Haus. In dieser Folge geht es um die Kikimora, eine slawische Hausgeistin, die helfen und quälen kann.

Zwei Kikimoras

Die Haus- oder Wald-Kikimora gilt als Frau des Domovoi. Sie spinnt nachts und schützt die Hühner, solange das Haus ordentlich ist. Die Sumpf-Kikimora gilt als Frau des Leschi und lockt Reisende ins Moor. Beschrieben wird sie klein und bucklig, mit zerzaustem Haar und Hühnerschnabel. Der Wortteil „mora“ steckt auch im englischen „nightmare“.

Warum es kaum alte Berichte gibt

Die Kirche unterdrückte Volkserzählungen über Jahrhunderte, und die gebildeten Schichten schrieben bäuerlichen Glauben selten auf. Erst im 19. Jahrhundert begann das systematische Sammeln, unter anderem durch Alexander Afanassjew.

Von Polen bis zum Balkan

In Polen heißt sie Zmora und wird in Flaschen gefangen und verbrannt, in Tschechien ist die Můra zugleich ein Nachtfalter. In Belarus gilt sie als Mutter der Lesavki, auf dem Balkan wird die Mora zur verführerischen Traumgestalt.

Schutz und Familienüberlieferungen

Ich stelle Schutzmittel vor, vom durchlöcherten „Hühnergott“ über der Hühnerstange bis zu gekreuzten Gürteln auf den Betten, dazu Familiengeschichten aus Polen und Russland.

Schlafparalyse und Mokosch

Wer nachts aufwacht, sich nicht bewegen kann und Druck auf der Brust spürt, erlebt eine Schlafparalyse. Die Kikimora war eine der Erklärungen dafür. Zum Schluss geht es um die These, dass in ihr die Göttin Mokosch weiterlebt, die für Spinnen und Weben zuständig war.

Häufige Fragen

Was ist eine Kikimora?

Ein weiblicher Haus- oder Sumpfgeist der slawischen Folklore. Die Haus-Kikimora hilft ordentlichen Haushalten und stört nachlässige, die Sumpf-Kikimora gilt als gefährlich.

Wie sieht eine Kikimora aus?

Meist klein und bucklig, mit langem, ungekämmtem Haar, einem Hühnerschnabel und krallenartigen Füßen. Sie hinterlässt feuchte Fußspuren.

Was hat die Kikimora mit Schlafparalyse zu tun?

Das Gefühl, nachts gelähmt zu sein und ein Gewicht auf der Brust zu spüren, wurde in der russischen Volksüberlieferung oft der Kikimora zugeschrieben. Viele Kulturen haben eigene Gestalten für dieses Erlebnis.

Ist die Kikimora mit dem Domovoi verheiratet?

In vielen Überlieferungen ja, zumindest die hilfreiche Haus-Kikimora. Die Sumpf-Kikimora gilt dagegen als Frau des Waldgeistes Leschi.

Mehr im Lexikon: Kikimora.

Über diese Folge

Stell dir vor, du wachst mitten in der Nacht auf. Ein seltsames Kratzen kommt hinter dem Ofen her. Geschirr zerbricht ohne ersichtlichen Grund in der Küche. Gegenstände verschwinden und tauchen an unmöglichen Stellen wieder auf. Eine kleine, buckelige Gestalt mit zerzausten Haaren und einem scharfen Hühnerschnabel huscht durch die Schatten deines Hauses. Du spürst, wie sich jemand nachts auf deine Brust setzt, aber wenn du die Augen öffnest, ist niemand da.Was klingt wie ein moderner Horrorfilm, beschreibt Erfahrungen, die Menschen seit über tausend Jahren in der gesamten slawischen Welt machen. Heute nehme ich dich mit auf eine Reise zu einem der faszinierendsten Wesen europäischer Folklore: der Kikimora. Wir schauen heute auf die vielen kleinen Details die in verschiedendenen Ländern vorkommen: Belarus, Ukraine, Russland, Polen, Serbien, Kroatien, und mehr.

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