Wer ist die Lamia?
Die bekannteste Fassung überliefert der griechische Historiker Duris von Samos um 280 v. Chr.: Lamia war eine Königin in Libyen und eine Geliebte des Zeus. Aus Eifersucht tötete Hera ihre Kinder. Lamia wurde vor Trauer wahnsinnig und begann, die Kinder anderer Mütter zu rauben und zu töten. Plutarch erzählt, sie könne ihre Augen herausnehmen und in ein Gefäß legen. Nur wenn sie die Augen trägt, ist sie gefährlich.
Die Braut von Korinth
In späteren Erzählungen ist die Lamia eine schöne Verführerin. Philostrat berichtet im Leben des Apollonios von Tyana von dem jungen Menippos in Korinth, der eine reiche, schöne Frau heiraten will. Apollonios entlarvt sie bei der Hochzeit: Sie wollte den Bräutigam mästen, um sein Blut zu trinken.
Herkunft und Verwandte
Ein antiker Kommentator zu Aristophanes leitet den Namen von laimós ab, dem Schlund. Verwandt sind die griechischen Kinderschreckgestalten Gello und Mormo. Die Religionswissenschaftlerin Sarah Iles Johnston deutet sie als Dämonen, in denen sich die Angst vor dem Tod von Säuglingen und Gebärenden verdichtete. Eine noch ältere Vorläuferin ist die mesopotamische Lamaschtu, gegen die Schwangere Amulette trugen. Der Kirchenvater Hieronymus übersetzte in der Vulgata das hebräische Wort Lilith in Jesaja 34,14 mit „Lamia“.
Folge zum Thema
Literatur
- Duris von Samos, Fragment FGrH 76 F 17.
- Plutarch: Über die Neugier 2.
- Philostrat: Das Leben des Apollonios von Tyana 4,25.
- Antoninus Liberalis: Metamorphosen 8.
- Walter Farber: Lamaštu. An Edition of the Canonical Series, Eisenbrauns 2014.
- Sarah Iles Johnston: Restless Dead, University of California Press 1999.