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Worum es in dieser Folge geht
Selkies sind Robben, die an Land ihr Fell ablegen und zu Menschen werden. Wer das Fell stiehlt, hält sie fest. In dieser Folge reise ich zu den Orkney- und Shetland-Inseln, nach Irland, Island und auf die Färöer.
Name und erste Belege
„Selkie“ ist ein schottisches Wort für Robbe, abgeleitet von „selch“. Die Bedeutung als Gestaltwandler kam erst später dazu. Ich gehe die frühen Belege durch, von Jón Guðmundsson 1641 über Samuel Hibbert 1822 bis zur Ballade „The Great Silkie of Sule Skerry“.
Orkney und Shetland
Im Mittelpunkt steht „The Goodman of Wastness“ von North Ronaldsay: Ein Bauer stiehlt einer Selkie das Fell, sie wird seine Frau, bekommt sieben Kinder und verschwindet ins Meer, als die jüngste Tochter ihr das Versteck verrät. Dazu kommen der Große Silkie von Sule Skerry, die Geschichte von Gioga’s Sohn und der Clan MacCodrum, der von einer Selkie abstammen soll.
Irland, Island und die Färöer
In Irland gilt der Conneely-Clan als Robbenfamilie. In Island geht es um die Robbenhaut im verschlossenen Schrank, und auf den Färöer um die dunkelste Version: die Kópakonan von Mikladalur, deren Fluch bis heute Männer im Meer ertrinken lassen soll.
Regeln und Deutungen
Ich fasse die Regeln der Verwandlung zusammen und zeige verschiedene Lesarten: Freiheit und Gefangenschaft, feministische Deutungen, Trost für Familien von Ertrunkenen. Dazu kommt die Theorie, dass Begegnungen mit Menschen in Robbenfellkajaks hinter den Geschichten stehen.
Selkies heute
Zum Schluss geht es um „Song of the Sea“, „Ondine“, „The Secret of Roan Inish“, Romane und Aufnahmen der Sule-Skerry-Ballade.
Häufige Fragen
Was ist eine Selkie?
Ein Wesen der nordatlantischen Folklore, das im Meer als Robbe lebt und an Land sein Fell ablegt und zum Menschen wird. Ohne das Fell kann es nicht ins Meer zurück.
Was ist der Unterschied zwischen Selkies und Meerjungfrauen?
Meerjungfrauen sind halb Mensch, halb Fisch. Selkies verwandeln sich vollständig: Sie sind entweder ganz Robbe oder ganz Mensch.
Woher kommen die Selkie-Geschichten?
Vor allem von den Orkney- und Shetland-Inseln, dazu aus Irland, Island und von den Färöer-Inseln. Sie entstanden in Gemeinschaften, die vom Meer lebten und an das Meer Menschen verloren.
Durfte man Robben töten, wenn man an Selkies glaubte?
In vielen gälischen Küstendörfern war das tabu, weil die Robbe ein verwandelter Selkie oder ein Verwandter sein könnte. Familien wie die MacCodrums oder Conneelys verschonten Robben grundsätzlich.
Mehr im Lexikon: Selkie.
Über diese Folge
Sie leben zwischen zwei Welten: Robben im Meer, Menschen an Land. Die Selkies gehören zu den faszinierendsten und tragischsten Wesen der nordatlantischen Folklore. Ihre Geschichten erzählen von gestohlenen Robbenfellen, erzwungenen Ehen und einer unstillbaren Sehnsucht nach dem Meer – Mythen, die seit Jahrhunderten an den Küsten Schottlands, Irlands, Islands und der Färöer-Inseln weitergegeben werden.
In diesem Vortrag tauchen wir tief ein in die Welt der Selkies. Wir erkunden ihre Ursprünge auf den sturmumtosten Orkney- und Shetland-Inseln, hören die berühmtesten überlieferten Geschichten – von der Selkie-Frau des Bauern von Wastness bis zur rachsüchtigen Kópakonan der Färöer. Wir entschlüsseln die Regeln ihrer magischen Verwandlung und fragen: Warum entstanden diese Legenden? Welche Wahrheiten verbergen sie über das Leben der Küstenbewohner, über Freiheit und Gefangenschaft, über die Sehnsucht nach dem wahren Selbst?
Eine Reise durch Nebel und Gischt, durch uralte Balladen und moderne Interpretationen – zu Wesen, die uns bis heute nicht loslassen.