Was ist eine Selkie?
Selkies leben im Meer als Robben. An bestimmten Nächten kommen sie an Land, legen ihr Fell ab und tanzen in Menschengestalt am Strand. Wer ein solches Fell an sich nimmt, hat Macht über seine Besitzerin, denn ohne Fell kann sie nicht ins Meer zurück.
Die Selkie-Frau
Die bekannteste Erzählung folgt fast immer demselben Muster. Ein Fischer oder Bauer versteckt das Fell einer Selkie-Frau. Sie heiratet ihn, bekommt Kinder und lebt jahrelang an Land. Eines Tages findet eines der Kinder das Fell, oft im Dachgebälk, und die Mutter kehrt sofort ins Meer zurück. Auf Orkney erzählt man das von einem Bauern aus Wastness. Auf den Färöern endet die Geschichte der Kópakonan, der Robbenfrau von Mikladalur, mit einem Fluch über die Männer des Dorfes.
Herkunft
Das Wort selkie ist schottisch und bedeutet Robbe. Die Sagen sind an den Küsten Schottlands, besonders auf Orkney und Shetland, in Irland, auf Island und den Färöern verbreitet. Aus Orkney stammt auch die Ballade vom großen Selkie von Sule Skerry. David Thomson hat 1954 in The People of the Sea die Selkie-Erzählungen der Küstenbewohner gesammelt.
Was die Geschichten erzählen
Unter der Romantik liegt eine harte Geschichte: Eine Frau wird festgehalten, ihr wird etwas genommen, und sie geht, sobald sie kann. Die Selkie-Sagen handeln vom Leben an der Küste, von Ehen, die nicht freiwillig waren, und von der Sehnsucht nach dem eigenen Leben.
Folge zum Thema
Literatur
- David Thomson: The People of the Sea, 1954.
- „The Great Silkie of Sule Skerry“, Child-Ballade 113.