Blanker Horror

Folklore, Mythen und Sagen – und wer sie erzählt

Home » Folgen » Die Hexen von Zugarramurdi :7.000 Angeklagte, ein Skeptiker. Wie Spanien den Hexenwahn beendete!

Die Hexen von Zugarramurdi :7.000 Angeklagte, ein Skeptiker. Wie Spanien den Hexenwahn beendete!

Beim Klick wird das Video von YouTube geladen. Dabei werden Daten an Google übertragen. Datenschutz

Als Podcast hören

Worum es in dieser Folge geht

Im November 1610 verbrennt die Spanische Inquisition in Logroño Menschen aus dem baskischen Dorf Zugarramurdi. Es ist der Höhepunkt des größten Hexenprozesses der Geschichte. In dieser Folge verfolge ich, wie aus einer Heimkehrerin mit einer Geschichte eine Lawine wurde, und wie ein einziger Inquisitor sie mit einer Frage zum Stehen brachte: Wo sind die Beweise?

Was man gestand

Die Verhörprotokolle beschreiben eine ganze Welt: nächtliche Flüge zur Wiese bei den Höhlen, der Teufel als schwarzer Ziegenbock, Gift aus Kröten, ausgegrabene Kinderleichen. Hunderte gestanden dasselbe bis in die Einzelheiten. Gerade diese Übereinstimmung hielten die Inquisitoren für einen Beweis.

Der Funke

Im Dezember 1608 kehrt María de Ximildegui aus dem französischen Baskenland zurück und erzählt, sie sei dort Hexe gewesen und habe auch Nachbarn beim Sabbat gesehen. Gustav Henningsen und Lu Ann Homza haben herausgearbeitet, warum sich die Angst so schnell ausbreitete: Ein Geständnis rettete das Leben, Leugnen war gefährlich. Vieles, was wir der Inquisition zuschreiben, taten die Dörfer selbst.

Die Kinder

Am Ende zählte der Fall 1.384 Kinder zwischen sechs und vierzehn Jahren, die als Hexen galten oder aussagten. Kinder, die gestanden, wurden nicht bestraft, sondern zu Zeugen gegen die Erwachsenen.

Das Feuer von Logroño

Beim Autodafé am 7. und 8. November 1610 wurden 31 Menschen verurteilt. Wer gestanden hatte, überlebte. Sechs Menschen, die bis zuletzt ihre Unschuld beteuerten, wurden lebendig verbrannt, fünf im Kerker Verstorbene als Strohpuppen. Das Verfahren belohnte, wer die Geschichte übernahm, und tötete, wer bei der Wahrheit blieb.

Jenseits der Grenze

Zur selben Zeit wütete im französischen Baskenland der Richter Pierre de Lancre. Flüchtlinge brachten seine Bilder vom Sabbat über die Pässe nach Navarra, und mit ihnen das Drehbuch für die Geständnisse.

Der Anwalt der Hexen

Alonso de Salazar Frías, der jüngste der drei Inquisitoren, zog 1611 acht Monate lang durch mehr als dreißig Orte. Er befragte die Menschen getrennt, ohne Druck, und verlangte Handfestes. Die Aussagen widersprachen sich, viele wurden zurückgenommen. Sinngemäß schrieb er nach Madrid: Es gab weder Hexen noch Behexte, bis man anfing, von ihnen zu reden. 1614 erließ die Suprema neue Anweisungen nach seinem Prinzip, und Spanien hörte praktisch auf, Hexen hinzurichten, während in Deutschland die Scheiterhaufen noch Jahrzehnte brannten.

Häufige Fragen

Wie viele Menschen starben im Hexenprozess von Zugarramurdi?

Beim Autodafé von Logroño 1610 wurden sechs Menschen lebendig verbrannt und fünf bereits Verstorbene symbolisch als Strohpuppen. Weitere starben in der Haft.

Wer war Alonso de Salazar Frías?

Ein Inquisitor in Logroño, der die Geständnisse systematisch überprüfte und keine Beweise fand. Seine Berichte führten 1614 dazu, dass Spanien die Hexenhinrichtungen faktisch beendete.

Mehr im Lexikon: Hexensabbat.

Über diese Folge

Im November 1610 verbrennt die Spanische Inquisition in Logroño Menschen aus dem baskischen Dorf Zugarramurdi als Teufelsanbeter – der Höhepunkt des größten Hexenprozesses der Geschichte, bei dem am Ende rund 7.000 Menschen unter Verdacht geraten. In dieser Folge verfolgen wir, wie aus einer zurückgekehrten Nachbarin mit einer Geschichte eine Lawine aus Angst, Geständnissen und Scheiterhaufen wird – und wie ausgerechnet ein Inquisitor, Alonso de Salazar Frías, „der Anwalt der Hexen“, mit nichts als Beweisen und einer einzigen Frage den Wahn zum Stillstand bringt. Eine Geschichte darüber, wer die Hexe erfindet, warum Menschen gestehen, was sie nie getan haben – und wie selten der Mut zum Zweifel ist.

📚 QUELLEN & WEITERFÜHRENDE LITERATUR

  • Gustav Henningsen, The Witches‘ Advocate. Basque Witchcraft and the Spanish Inquisition, 1609–1614 (University of Nevada Press 1980) – das grundlegende Standardwerk zum Fall; prägte den Beinamen „Anwalt der Hexen“.
  • Gustav Henningsen (Hrsg.), The Salazar Documents. Inquisitor Alonso de Salazar Frías and Others on the Basque Witch Persecution (Brill 2004) – Salazars fünf Berichte an die Suprema (1612–1614) in zweisprachiger Edition.
  • Emma Wilby, Invoking the Akelarre. Voices of the Accused in the Basque Witch-Craze, 1609–1614 (Sussex Academic Press 2019) – neuere Nahlesung der Geständnisse und der vorchristlichen baskischen Schicht.
  • Lu Ann Homza, Village Infernos and Witches‘ Advocates. Witch-Hunting in Navarre, 1608–1614 (Penn State University Press 2022) – die dörflichen Sozialdynamiken und die Logik des Geständnisses.
  • Pierre de Lancre, Tableau de l’inconstance des mauvais anges et démons (1612) – die einflussreiche, ausschweifende Sabbat-Schilderung des französischen Richters; Quelle für das „Drehbuch“ der Epoche.
  • Instruktionen der Suprema von 1614 – die von Salazars Berichten geprägte Anweisung, die Hexenhinrichtungen in Spanien faktisch beendete.
  • Zur baskischen Mythologie (Mari, Akerbeltz, sorginak): die ethnografischen Sammlungen von José Miguel de Barandiarán (1889–1991).

Diese Folge auf Englisch: Grey Tales →

Mehr zum Thema

Wesen & Phänomene:
Region: