Beim Klick wird das Video von YouTube geladen. Dabei werden Daten an Google übertragen. Datenschutz
Als Podcast hören
Worum es in dieser Folge geht
Mit dieser Folge beginnt meine vierteilige Reihe über die echten Mythen hinter den Monstern aus The Witcher. Geralt nennt sie „Noonwraith“, die Polen Południca, in der Lausitz fürchtete man sie als Mittagsfrau mit der Sichel. Ich frage, woher das tödlichste Gespenst der slawischen Sagenwelt kommt: ein Wesen, das nicht nachts erscheint, sondern im grellen Licht der Mittagsstunde.
Vom Witcher-Vertrag in die Lausitz
Ausgangspunkt ist der Witcher-Auftrag „Die Weiße Frau“. Von dort geht es zu den sorbischen Sagen der Lausitz, die Karl Haupt 1862, Johann Georg Theodor Grässe und Edmund Veckenstedt im 19. Jahrhundert gesammelt haben. Die Mittagsfrau stellt den Menschen auf dem Feld Fragen, und wer nicht bis zum Ende der Mittagsstunde antworten kann, stirbt. Friedrich Sieber hat diese Sage als „Die Mittagsfrau fragt zu Tode“ überliefert, und Elias Canetti griff das Motiv in Masse und Macht auf.
Der Dämon des Mittags
Eine ältere Spur führt in die Bibel: Psalm 90 nennt in der Vulgata den daemonium meridianum, den Dämon des Mittags.
Erben und Dvořák
Karel Jaromír Erben machte die Polednice 1853 in seiner Balladensammlung Kytice zur Gestalt, die ein Kind holt, dem die Mutter mit ihr gedroht hat. Antonín Dvořák vertonte die Ballade 1896.
Was CD Projekt Red verändert hat
Am Ende frage ich, was das Spiel am alten Mythos verändert hat, und warum.
Häufige Fragen
Wer ist die Mittagsfrau?
Ein Feldgeist der sorbischen und slawischen Überlieferung, der in der Mittagshitze erscheint und Menschen auf dem Feld mit Fragen oder der Sichel tötet.
Mehr im Lexikon: Mittagsfrau.
Über diese Folge
Geralt nennt sie „Noonwraith“. Die Polen nennen sie Południca. Und in der Lausitz fürchtete man sie als Mittagsfrau – mit Sichel in der Hand. In Teil 1 unserer neuen vierteiligen Reihe über die echten Mythen hinter den Monstern aus „The Witcher“ graben wir aus, woher das tödlichste Gespenst der slawischen Sagenwelt wirklich kommt: ein Dämon, der nicht in der Nacht erscheint, sondern im gnadenlosen Licht der Mittagsstunde.Wir folgen ihr vom Witcher-Vertrag „Die Weiße Frau“ über die sorbischen Sagen der Lausitz und den biblischen „Mittagsdämon“ bis zu Dvořáks schauriger Tondichtung – und fragen am Ende, was CD Projekt Red am alten Mythos verändert hat. Und warum.
📖 Weiterführende Quellen & Literatur:
Karl Haupt: Sagenbuch der Lausitz, Bd. 1 (Leipzig 1862) – „Die Mittagsfrau. Připolniza“
Johann Georg Theodor Grässe: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Bd. 2 (Dresden 1855/1874) – „Das Mittagsgespenst“
Edmund Veckenstedt: Wendische Sagen, Märchen und abergläubische Gebräuche (Graz 1880)
Friedrich Sieber: Wendische Sagen (1925) – „Die Mittagsfrau fragt zu Tode“
Elias Canetti: Masse und Macht (1960), Kapitel „Frage und Antwort“
Kazimierz Moszyński: Kultura ludowa Słowian (Volkskultur der Slawen)
Karel Jaromír Erben: Kytice (1853), Ballade „Polednice“
Antonín Dvořák: Polednice (Die Mittagshexe), Op. 108 (1896)
Forschung des Sorbischen Instituts / Serbski institut zur Mittagsfrau
Psalm 90,6 (Vulgata): „daemonium meridianum“