Wer ist die Moura Encantada?
In der kürzesten Nacht des Jahres, der Johannisnacht, sitzt an einer Quelle eine Frau von großer Schönheit und kämmt ihr Haar mit einem goldenen Kamm. Sie bietet dem, der vorbeikommt, einen Schatz an. Um sie zu erlösen, muss man sie küssen, oft wenn sie die Gestalt einer Schlange angenommen hat. Wer zögert oder erschrickt, verdoppelt ihren Bann. Fast niemand besteht die Probe.
Wo sie zu finden ist
Moura-Sagen hängen an Quellen, Felsen, Brunnen und vor allem an den Ruinen vorrömischer Siedlungen, den castros. Der Archäologe Francisco Martins Sarmento nutzte im 19. Jahrhundert Moura-Sagen und Flurnamen als Hinweise, als er die Citânia de Briteiros im Norden Portugals ausgrub.
Woher der Name kommt
Die verbreitete Erklärung lautet: Die Moura sei eine maurische Prinzessin, die bei der Rückeroberung zurückblieb und verzaubert wurde. Alexandre Herculano hat diese Fassung 1851 literarisch ausgestaltet. Der Philologe Isidoro Millán schlug eine andere Herleitung vor, von einer keltischen Wurzel mit der Bedeutung „die Tote“. Dann wäre die Moura ursprünglich eine Gestalt der Toten, und erst später hätte man sie den besiegten Mauren zugeordnet. Diese Deutung ist umstritten, passt aber dazu, dass die Sagen an alten Grabstätten haften.
Was die Forschung sagt
José Leite de Vasconcelos sah in der Moura eine Verschmelzung mit älteren Quell- und Naturgottheiten. Isabel Cardigos deutet sie als die unerreichbare Frau, deren Erlösung der Logik der Erzählung nach scheitern muss.
Folge zum Thema
Literatur
- José Leite de Vasconcelos: Tradições Populares de Portugal, 1882.
- Zófimo Consiglieri Pedroso: Contribuições para uma Mitologia Popular Portuguesa, 1882.
- Teófilo Braga: Contos Tradicionais do Povo Português, 1883.
- Alexandre Herculano: Lendas e Narrativas, 1851.
- Isabel Cardigos: The Enchanted Calendar of the Mouras Encantadas.