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Poltergeist

Ein Poltergeist ist ein unsichtbarer Störenfried, der klopft, mit Steinen wirft und Dinge bewegt. Die Fälle reichen vom Bingen des Jahres 858 bis ins Rosenheim von 1967.

Was ist ein Poltergeist?

Das Wort ist deutsch: Ein Geist, der poltert. Es ist sogar ins Englische übernommen worden. Gemeint ist eine Erscheinung, die man nicht sieht, sondern hört und spürt. Es klopft an Wänden, Steine fliegen, Möbel rücken, Decken werden weggezogen. Anders als ein Gespenst ist der Poltergeist meist an ein Haus und an bestimmte Menschen gebunden, und er hört nach einer Weile wieder auf.

Berühmte Fälle

  • Bingen, 858: Die Fuldaer Annalen berichten von einem Gutshof bei Bingen am Rhein, in dem ein „böser Geist“ drei Jahre lang Steine warf, gegen Wände schlug und schließlich fast die ganze Siedlung niederbrannte. Ein Mann musste mit glühendem Eisen seine Unschuld beweisen. Es gilt als einer der ältesten schriftlich belegten Fälle Europas.
  • Tedworth, 1662: In Wiltshire nahm der Friedensrichter John Mompesson einem umherziehenden Trommler die Trommel ab. Danach trommelte es zwei Jahre lang in seinem Haus. Joseph Glanvill machte den Fall berühmt, um damit gegen Zweifler an Geistern und Hexerei zu argumentieren.
  • Tennessee, 1817: Auf der Farm der Familie Bell in Adams begann eine Spukserie, die als „Bell Witch“ bekannt wurde. Die meisten Einzelheiten stammen aus einem Buch von Martin Van Buren Ingram aus dem Jahr 1894, Jahrzehnte nach den Ereignissen.
  • Rosenheim, 1967: In einer Anwaltskanzlei klingelten Telefone ohne Anrufer und Neonröhren zerplatzten. Die Störungen hingen offenbar an einer jungen Angestellten. Der Freiburger Parapsychologe Hans Bender sah darin Psychokinese, Skeptiker sprachen von Betrug.

Was die Forschung sagt

Bei vielen Fällen fällt auf, dass ein junger Mensch im Mittelpunkt steht. Das kann man parapsychologisch deuten oder als Hinweis auf menschliche Urheber. Historiker wie Owen Davies und Michael Hunter interessiert vor allem eine andere Frage: wer die Berichte aufgeschrieben hat und warum. Ein Mönch in Fulda, ein anglikanischer Theologe im England der Restauration und ein Lokalautor in Tennessee hatten jeweils ihre eigenen Gründe.

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Literatur

  • Annales Fuldenses, Eintrag zum Jahr 858, hrsg. von Friedrich Kurze, MGH, Hannover 1891.
  • Joseph Glanvill: Saducismus Triumphatus, 1681.
  • Michael Hunter: „New light on the ‚Drummer of Tedworth‘“, Historical Research 78 (2005), S. 311–353.
  • M. V. Ingram: An Authenticated History of the Famous Bell Witch, 1894.
  • Owen Davies: The Haunted. A Social History of Ghosts, 2007.

Dieser Eintrag auf Englisch: Grey Tales →