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Worum es in dieser Folge geht
Wiltshire, 1662: Ein Friedensrichter nimmt einem fahrenden Trommler die Trommel weg, und danach trommelt es zwei Jahre lang in seinem Haus. Der Trommler von Tedworth gilt als erster dokumentierter Poltergeist Englands. In dieser Folge erzähle ich zuerst die Sage und frage dann, wer ein Interesse daran hatte, dass sie genau so erzählt wurde.
Ein Landedelmann und ein Bettler
John Mompesson war Grundbesitzer und Friedensrichter in Tedworth, dem heutigen Tidworth. William Drury zog als Trommler über Land und sammelte mit einem gefälschten Schreiben Geld. Mompesson ließ ihm die Trommel abnehmen, und ausgerechnet in sein Haus wurde sie gebracht. Ab April 1662 polterte es dort, bald vor allem im Zimmer der Kinder. Der junge Christopher Wren notierte nüchtern, wie dünn die Wände waren und dass das Klopfen nur auftrat, wenn ein bestimmtes Mädchen in der Nähe war.
Die Sprache der Trommel
Der Geist schlug Militärsignale. Im England kurz nach Bürgerkrieg und Restauration war das kein harmloser Klang. Manche Historiker vermuten, dass Drury im Krieg auf der unterlegenen Seite stand.
Der Mann, der den Geist brauchte
Berühmt machte den Fall Joseph Glanvill, Geistlicher und Mitglied der Royal Society. Er wollte gegen den aufkommenden Materialismus beweisen, dass es Geister gibt, und damit auch die Seele und Gott. In A Blow at Modern Sadducism von 1668 und Saducismus Triumphatus von 1681 wurde Tedworth sein Beweisstück, und Drury wurde zum Hexer umgeschrieben.
Die Geschichte widerspricht sich
Vor einer königlichen Kommission blieb es still. Samuel Pepys notierte, der Geist sei an einer schwierigen Melodie gescheitert. John Webster stellte Glanvills Beweisführung 1677 infrage. Michael Hunter hat 2005 gezeigt, dass Glanvill Mompessons frühe, ängstliche und selbstzweifelnde Berichte für seine Zwecke umformte.
Das Nachleben
Über Increase Mather gelangte der Fall nach Neuengland, Joseph Addison machte 1716 eine Komödie daraus, Charles Mackay zählte ihn 1841 zu den Betrügereien. Spätere Forscher verdächtigten die Kinder des Hauses. Nur eine Stimme fehlt in diesem Chor: die des Trommlers selbst.
Häufige Fragen
War der Trommler von Tedworth ein echter Spuk?
Das lässt sich nicht beweisen. Die Quellen widersprechen sich, und jeder Erzähler hatte eigene Gründe. Viele Hinweise deuten auf menschliche Urheber im Haus.
Wer war Joseph Glanvill?
Ein englischer Geistlicher und Gelehrter, der den Fall als Beweis gegen den Unglauben seiner Zeit veröffentlichte.
Mehr im Lexikon: Poltergeist.
Über diese Folge
Wiltshire, 1662: Ein Friedensrichter nimmt einem fahrenden Bettler die Trommel weg – und danach trommelt es zwei Jahre lang in seinem Haus. Aus dem Nichts. Der „Trommler von Tedworth“ gilt als der erste dokumentierte Poltergeist Englands. Doch hinter dem Spuk steckt ein viel größerer Kampf: um Gott, um die Seele und um die Frage, wer entscheiden darf, was wirklich geschehen ist.
In dieser Folge graben wir unter der Gruselgeschichte und fragen, was diese ganze Reihe zusammenhält: Wer erzählt eine Geschichte – und warum?
Quellen & weiterführende Literatur (Auswahl)
- Joseph Glanvill, A Blow at Modern Sadducism (1668) und Saducismus Triumphatus (posthum 1681, hrsg. von Henry More) – die zentralen zeitgenössischen Berichte, die den Fall überhaupt berühmt machten.
- John Webster, The Displaying of Supposed Witchcraft (1677) – die skeptische Gegenschrift zu Glanvill.
- Samuel Pepys, Tagebuch, Eintrag vom 25. Dezember 1667 – zeitgenössische Rezeption des Falls.
- Increase Mather, An Essay for the Recording of Illustrious Providences (1684) und George Sinclair, Satans Invisible World Discovered (1685) – die Weiterverbreitung des Falls, bis nach Neuengland.
- Joseph Addison, The Drummer; or, The Haunted House (1716) – die komödiantische, rationalisierende Bühnenfassung.
- Charles Mackay, Extraordinary Popular Delusions and the Madness of Crowds (1841) – die Deutung als Betrug.
- Michael Hunter, „New light on the ‚Drummer of Tedworth‘: conflicting narratives of witchcraft in Restoration England“, Historical Research 78 (2005), S. 311–353 – die maßgebliche moderne Studie, die die frühen, teils ungedruckten Fassungen des Falls offenlegt.
- Owen Davies, The Haunted: A Social History of Ghosts (2007) – historische Einordnung der Poltergeist-Überlieferung.