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1589: Die grausamste Werwolf-Hinrichtung Europas – und ihr wahres Motiv

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Worum es in dieser Folge geht

Im Herbst 1589 wird bei Bedburg im Rheinland der wohlhabende Bauer Peter Stubbe als Werwolf hingerichtet. Sein Fall wurde in ganz Europa gedruckt und prägt unser Bild vom Werwolf bis heute. In dieser Folge zeige ich, warum die Geschichte nicht aufgeht, und was ein Gast am Schafott damit zu tun hat.

Ein Name, der eine Wunde ist

Stubbe, Stumpp, Stumpf: Der Mann taucht unter vielen Schreibweisen auf, geboren vermutlich um 1530 in Epprath bei Bedburg. Die Kirchenbücher verbrannten im Dreißigjährigen Krieg. Eine Deutung bezieht den Beinamen „Stumpf“ auf eine verstümmelte Hand, passend zur abgeschlagenen Wolfspfote der Legende.

Der Wolf im Kornfeld und das Geständnis

Nach jahrelangen Wolfsangriffen stellen Männer 1589 ein Tier und finden an seiner Stelle Stubbe. Unter Androhung der Folter gesteht er: einen Gürtel vom Teufel, 25 Jahre Mord, vierzehn Kinder und zwei Schwangere, Kannibalismus, Inzest. Der Gürtel wurde nie gefunden. Die Liste liest sich weniger wie eine Tatbeschreibung als wie ein Katalog aller denkbaren Verbrechen.

Die Quelle

Die wichtigste Quelle ist die Flugschrift The Damnable Life and Death of one Stubbe Peeter, London 1590, selbst eine Übersetzung eines verschollenen deutschen Drucks. Montague Summers machte sie im 20. Jahrhundert wieder bekannt. Unabhängig bestätigt das Tagebuch des Kölner Ratsherrn Hermann von Weinsberg die Hinrichtung.

Was ein Werwolf wirklich war

Rolf Schulte beschreibt den Werwolf als männliches Gegenstück zur Hexe. Elmar Lorey zeigt, dass meist Menschen vom Rand der Gesellschaft verdächtigt wurden: Zugezogene, Hirten, Außenseiter. Peter Stubbe passt in dieses Profil überhaupt nicht.

Das Detail, das nicht passt

Von 1583 bis 1588 tobte der Kölner Krieg, nachdem der Erzbischof Gebhard Truchsess zum Protestantismus übergetreten war. Bedburg lag mittendrin. 1587 fiel die Burg an den Katholiken Werner von Salm-Reifferscheidt-Dyck. Stubbe war sehr wahrscheinlich Protestant, und bei seiner Hinrichtung soll der neue Erzbischof und Kurfürst selbst zugesehen haben. Ein Teil der Forschung sieht den Prozess deshalb als kaum verhüllte politische Botschaft. Das ist eine Deutung, kein Beweis.

Rad, Feuer, Pfahl

Am 31. Oktober 1589 wurde Stubbe gerädert und enthauptet, seine Tochter Beele und Katharina Trump starben mit ihm. Man brach ihm die Glieder, damit er nicht aus dem Grab zurückkehrt, die gleiche Logik wie beim Nachzehrer. Ein Pfahl mit Rad, Wolfsfigur und seinem Kopf blieb als Mahnmal stehen.

Häufige Fragen

Wer war Peter Stubbe?

Ein wohlhabender Bauer aus der Gegend von Bedburg, der 1589 als Werwolf hingerichtet wurde. Sein Fall ist der bekannteste Werwolfprozess Deutschlands.

War Peter Stubbe wirklich ein Mörder?

Das lässt sich nicht klären. Das Geständnis entstand unter Folterdrohung, und der politische Hintergrund des Kölner Kriegs legt nahe, dass der Prozess auch der Einschüchterung diente.

Mehr im Lexikon: Werwolf.

Über diese Folge

Im Herbst 1589 wird bei Bedburg im Rheinland ein wohlhabender Bauer als Werwolf zu Tode gebrochen. Sein Name: Peter Stubbe. Sein Fall wurde in ganz Europa gedruckt und prägte unser Bild vom Werwolf bis heute. Doch je genauer man hinsieht, desto weniger geht die Geschichte auf – bis hin zu einem Gast am Schafott, der dort eigentlich nichts zu suchen hatte. Eine Spurensuche zwischen Aktenlage, Flugschrift und dem Krieg, der alles erklärt.

📚 Quellen & weiterführende Literatur (Auswahl):

• „The Damnable Life and Death of one Stubbe Peeter“, London 1590 (Übers. George Bores) – die zentrale Primärquelle; deutscher Originaldruck verschollen.

• Tagebuch des Hermann von Weinsberg, Kölner Ratsherr – unabhängige zeitgenössische Bezeugung.

• Holzschnitt/Einblattdruck, zugeschr. Lukas Mayer (Nürnberg); Kupferstich Franz Hogenberg.

• Montague Summers, „The Werewolf“ (1933) – Wiederabdruck der Flugschrift von 1920.

• Rolf Schulte, Untersuchung zu Männern in den Hexenprozessen (um 2000) – Werwolf als männliches Pendant zur Hexe.

• Elmar Lorey (1945–2019), Forschungen zu Werwolfprozessen der Frühen Neuzeit – Werwolf als instrumentalisierbare Prozessvariante (elmar-lorey.de).

• Zum politischen Kontext: Kölner/Truchsessischer Krieg 1583–1588.

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