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Die Aswang der Philippinen: Tagsüber Mensch, nachts Monster (Ostasiatische Folklore erklärt)

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Worum es in dieser Folge geht

Nach vielen europäischen Untoten geht es diesmal auf die Philippinen. Die Aswang ist dort das am meisten gefürchtete Wesen, und sie ist nicht ein Monster, sondern ein ganzes System des Schreckens. Tagsüber ist sie die schüchterne Nachbarin, nachts jagt sie.

Was ist eine Aswang?

Schon der Franziskaner Juan de Plasencia notierte 1589, dass nichts auf dem Archipel so gefürchtet war. Der Folklorist Maximo Ramos hat in den 1960er Jahren Ordnung in die Vielfalt gebracht und fünf Typen unterschieden: den Vampir mit seiner rüsselartigen Zunge, den Eingeweidesauger, dessen bekannteste Form der Manananggal ist, der seinen Oberkörper abtrennt und davonfliegt, den Gestaltwandler, die Hexe und den Leichenfresser. Allen gemeinsam ist, dass sie tagsüber wie normale Menschen aussehen.

Tik-Tik und Wak-Wak

Der Tik-Tik verrät sich durch sein Geräusch, und das Tückische ist: Es klingt leiser, je näher er ist. Der Wak-Wak ist nach dem Schlag seiner Flügel benannt.

Die Babaylan und die spanische Waffe

Vor der Kolonialzeit spielten die Babaylan eine zentrale Rolle, spirituelle Führerinnen, meist Frauen oder Transgender-Personen. Die spanischen Missionare nutzten den Aswang-Glauben, um sie als Hexen zu verleumden und ihre Macht zu brechen.

Teniente Gimo und Capiz

Die bekannteste Aswang-Geschichte spielt in Dueñas auf Panay: Ein angesehener Ortsvorsteher, Teniente Gimo, soll Anführer eines Aswang-Clans gewesen sein. Ein Mädchen, das bei seiner Tochter übernachtet, merkt, dass es das Festessen werden soll, tauscht den Schlafplatz und flieht. Gimos Leute packen die eigene Tochter. Der Lokalhistoriker Ramon Lagos sieht hinter der Legende einen realen, wohlhabenden und als geizig verschrienen Landbesitzer, dessen Nachkommen Dueñas wegen des Stigmas verließen. Die Provinz Capiz gilt bis heute als „Aswang-Hauptstadt“, ein Ruf, unter dem ihre Bewohner in Manila und anderswo leiden.

Die CIA-Aswang

Anfang der 1950er Jahre setzte der US-Geheimdienst unter Edward Lansdale den Mythos im Kampf gegen die Huk-Rebellen ein und präparierte einen Toten so, als hätte eine Aswang ihn ausgesaugt.

Verwandte und Gegenwart

Verwandte Wesen gibt es in ganz Südostasien, etwa die Penanggalan in Malaysia. Und der Glaube lebt: 2023 riefen Menschen in Talisay die Polizei, weil sie einen Manananggal auf einem Dach gesehen haben wollten.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Aswang und Manananggal?

Aswang ist der Oberbegriff für viele Wesen. Der Manananggal ist eine bestimmte Form, die ihren Oberkörper abtrennt und mit Flügeln davonfliegt.

Warum gilt Capiz als Aswang-Provinz?

Der Ruf hat sich über Generationen gehalten und wird bis heute weitererzählt, oft zum Leidwesen der Menschen, die von dort stammen.

Mehr im Lexikon: Aswang.

Über diese Folge

Tagsüber ist sie deine Nachbarin. Schüchtern, unauffällig, freundlich. Nachts spaltet sie sich in zwei Hälften, sproßt Flügel und jagt.Die Aswang ist das gefürchtetste Wesen der philippinischen Folklore — und kein einzelnes Monster, sondern ein ganzes System des Schreckens: Vampire, Gestaltwandler, Hexen, Leichendiebe und Wesen, die Ungeborene aus dem Mutterleib saugen. Schon die spanischen Kolonisatoren im 16. Jahrhundert notierten, dass nichts auf dem Archipel so gefürchtet war wie die Aswang. Und der Glaube lebt bis heute.In dieser Episode tauchen wir tief ein: Wir sprechen über die fünf Typen der Aswang nach dem Folkloristen Maximo Ramos, über den Tik-Tik und seine kontraintuitive Akustik, über die Legende von Teniente Gimo aus Dueñas, und darüber, wie spanische Missionare den Aswang-Glauben nutzten, um die Priesterinnen der vorkolonialen Gesellschaft zu zerstören. Wir schauen uns an, warum die Provinz Capiz als „Aswang-Hauptstadt“ gebrandmarkt ist — und was eine seltene neurologische Krankheit damit zu tun hat. Und wir erzählen die Geschichte der vielleicht absurdesten CIA-Operation des Kalten Krieges: Als der amerikanische Geheimdienst echte Leichen inszenierte, um philippinische Rebellen mit Vampirmythen in die Flucht zu schlagen.Quellen und weiterführende Literatur:Maximo D. Ramos: „The Aswang Complex in Philippine Folklore“ (1990)Maximo D. Ramos: „The Creatures of Philippine Lower Mythology“ (1960er)Juan de Plasencia: „Costumbres de los Tagalos“ (1589)Jordan Clark / The Aswang Project (aswangproject.com) — Dokumentation und ForschungEdward G. Lansdale: „In the Midst of Wars“ (Memoiren)Lee et al.: „Sex-linked recessive dystonia parkinsonism of Panay, Philippines (XDP)“ (2001)

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