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Folklore, Mythen und Sagen – und wer sie erzählt

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Leprechaun

Der Leprechaun ist ein einzelgängerischer Schuster und Schatzhüter der irischen Überlieferung. Seine älteste Spur führt in eine mittelalterliche Rechtserzählung, sein grüner Anzug ist eine Erfindung des 20. Jahrhunderts.

Was ist ein Leprechaun?

In den irischen Erzählungen des 19. Jahrhunderts ist der Leprechaun ein kleiner, alter Mann, der allein lebt, Schuhe flickt und einen Schatz bewacht. Wer ihn fängt, kann ihn zwingen, das Versteck zu verraten. Aber sobald man den Blick von ihm abwendet, ist er verschwunden. In fast jeder Geschichte gewinnt er.

Die älteste Spur

Die frühesten Belege stehen in der altirischen Erzählung Echtra Fergusa maic Léti, in der Wasserwesen namens lúchorpáin versuchen, den schlafenden König Fergus ins Meer zu ziehen. D. A. Binchy hat den Text 1952 herausgegeben und ins 8. Jahrhundert datiert. Neil McLeod zeigte 2011, dass die Saga als Lehrerzählung zum Pfändungsrecht aufgebaut ist.

Woher der Name kommt

Lange galt die Herleitung von lú und corp, „kleiner Körper“. Jacopo Bisagni hat 2012 dagegen argumentiert: Die älteste handschriftliche Form sei lupracán, und das Wort gehe auf die römischen Luperci zurück, die irische Gelehrte über Augustinus als Volk von Wolfsmenschen kannten. Bisagni stellt auch Binchys frühe Datierung in Frage. Die Debatte ist nicht abgeschlossen.

Wie er grün wurde

Thomas Crofton Croker machte die Figur 1825 mit den Fairy Legends and Traditions of the South of Ireland bekannt. Das Manuskript ging verloren und wurde mit Hilfe von Freunden neu geschrieben. Die Brüder Grimm übersetzten das Buch schon 1826 als Irische Elfenmärchen. In den Quellen des 19. Jahrhunderts trägt der Leprechaun meist Rot. Das grüne Kostüm setzte sich im 20. Jahrhundert durch, mit Werbung, Tourismus und Disneys Film Darby O’Gill and the Little People von 1959.

Was die Forschung sagt

Diarmuid Ó Giolláin hat 1984 über dreihundert Handschriften des irischen Folklore-Archivs ausgewertet. Er ordnet den Leprechaun eher den Zwergen und Hausgeistern zu als dem Feenvolk.

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Literatur

  • D. A. Binchy: „The Saga of Fergus mac Léti“, Ériu 16 (1952), S. 33–48.
  • Neil McLeod: „Fergus mac Léti and the Law“, Ériu 61 (2011), S. 1–28.
  • Jacopo Bisagni: „Leprechaun: a new etymology“, Cambrian Medieval Celtic Studies 64 (2012), S. 47–84.
  • Diarmuid Ó Giolláin: „The Leipreachán and Fairies, Dwarfs and the Household Familiar“, Béaloideas 52 (1984), S. 75–150.
  • Thomas Crofton Croker: Fairy Legends and Traditions of the South of Ireland, London 1825.
  • Tony Tracy: „When Disney Met Delargy“, Béaloideas 78 (2010), S. 44–60.

Dieser Eintrag auf Englisch: Grey Tales →

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