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Der echte Dracula war schlimmer als der Vampir – Vlad Țepeș: Die ganze Geschichte

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Worum es in dieser Folge geht

Nürnberg, 1488: Marcus Ayrer druckt „Die Geschicht Dracole Waide“, eine der ersten Medien-Sensationen Europas. Im zweiten Teil meiner Karpaten-Trilogie geht es um den Mann dahinter, Vlad III. Ich zeige ihn weder nur als Sadisten noch nur als Nationalhelden, denn beide Bilder enthalten Wahrheit und beide enthalten Propaganda.

Der Sohn des Drachen

1431 nahm Kaiser Sigismund Vlads Vater in den Drachenorden auf, daher der Beiname Dracul, Drache oder Teufel. Vlad III. wurde im selben Jahr in Schäßburg geboren, in eine Welt, in der der walachische Thron in fünfzig Jahren zwölfmal den Besitzer wechselte.

Geisel des Sultans

Mit elf Jahren kam er mit seinem Bruder Radu als Geisel an den osmanischen Hof. Radu, später „der Schöne“, wurde Höfling und Vertrauter des späteren Sultans Mehmed II. Vlad lernte das osmanische System von innen kennen. Als er sechzehn war, ermordeten Bojaren seinen Vater und begruben seinen älteren Bruder Mircea lebendig.

Ostern 1457 und der goldene Becher

1456 kam Vlad zum zweiten Mal auf den Thron. Bei einem Osterfest ließ er die alten Bojaren hinrichten und die jüngeren die Burg Poenari wieder aufbauen. Zugleich erzählen russische Quellen vom goldenen Becher am Brunnen, den sechs Jahre niemand stahl. Vlad ordnete Verwaltung und Steuern neu und besetzte den Rat mit Männern, die nur ihm verpflichtet waren.

Der Pfahl

Das Pfählen war keine Erfindung Vlads, sondern auf dem Balkan und im Osmanischen Reich verbreitet. Die Opferzahlen der deutschen Flugschriften reichen bis 100.000, moderne Historiker schätzen einige Zehntausend.

Sachsen, Sultan und der Wald der Gepfählten

Vlad führte Strafzüge gegen die siebenbürgischen Sachsen, aus deren Kanzleien später die Berichte gegen ihn stammten. 1459 stellte er die Tributzahlungen an den Sultan ein, im Winter 1461/62 zog er über die zugefrorene Donau und meldete dem ungarischen König 23.884 Tote. Im Juni 1462 scheiterte sein nächtlicher Angriff auf Mehmeds Zelt. Vor Târgoviște fand die osmanische Armee dann ein Feld voller Gepfählter, das Laonikos Chalkokondyles beschrieben hat, und Mehmed kehrte um.

Verhaftung und Flugschriften

Gewonnen hat Vlad trotzdem nicht. Radu wurde Gegenfürst, Matthias Corvinus ließ Vlad im November 1462 verhaften, gestützt auf Briefe, die die meisten Historiker für Fälschungen halten. In dieser Zeit entstanden die deutschen Schauergeschichten. Die russische „Erzählung vom Woiwoden Dracula“, vermutlich von Fjodor Kuritsyn, zeigt ihn dagegen als strengen, gerechten Herrscher.

Tod, Dracula und Ceaușescu

Vlad starb Ende 1476, die Umstände sind umstritten, sein Kopf wurde nach Konstantinopel geschickt. Mit Stokers Dracula verbindet ihn nur der Name aus einer Fußnote. Die Gleichsetzung stammt von Florescu und McNally 1972, und Schloss Bran hat mit ihm kaum etwas zu tun. Ceaușescu machte ihn 1976 zum Vorbild seiner eigenen Herrschaft.

Häufige Fragen

War Vlad Țepeș das Vorbild für Dracula?

Kaum. Bram Stoker übernahm nur den Namen „Dracula“ aus einer Fußnote. Über Vlads Leben stand nichts in seinen Notizen.

Wie viele Menschen hat Vlad der Pfähler getötet?

Genau weiß das niemand. Moderne Historiker gehen von einigen Zehntausend aus, die deutschen Flugschriften nennen deutlich höhere Zahlen.

Ist Schloss Bran Draculas Schloss?

Nein. Vlad war dort wahrscheinlich höchstens kurz. Seine Festung war Poenari über dem Argeș.

Über diese Folge

Am 14. Oktober 1488 druckt Marcus Ayrer in Nürnberg eine Flugschrift, die Europa elektrisiert: „Die Geschicht Dracole Waide“. Auf der Titelseite ein Holzschnitt – ein gekrönter Fürst, der zwischen Gepfählten speist. Es ist eine der ersten Massenmedien-Sensationen der Geschichte. Und es ist die Geburtsstunde eines Mythos, der bis heute jedes Halloween in Bewegung bringt.Aber wer war der Mann hinter der Flugschrift wirklich?In dieser ausführlichen Folge nehme ich euch mit auf eine Reise durch das Leben von Vlad III. Drăculea – Vlad Țepeș, dem Pfähler. Wir folgen ihm vom elfjährigen Geiseljungen am osmanischen Hof über das Ostermassaker von Târgoviște, den Bau der Festung Poenari auf den Knochen der Bojaren, den legendären Donaufeldzug und den „Wald der Gepfählten“, der Sultan Mehmed II. zur Umkehr zwang. Wir sehen, wie ihn sein eigener Bruder Radu verriet, wie er zwölf Jahre in ungarischer Gefangenschaft saß – und wie sein Kopf am Ende in einem Fass Honig nach Konstantinopel geschickt wurde.Vor allem aber klären wir den Mythos: Warum die deutschen Flugschriften ihn zum Monster machten, warum die russische „Skazanie o Drakule voivode“ ihn zum gerechten Herrscher erklärte, warum Ceaușescu ihn 1976 als Nationalhelden inszenierte – und warum Bram Stoker, anders als alle glauben, praktisch NICHTS über den realen Vlad wusste, als er seinen Grafen Dracula erschuf.

Mensch oder Monster? Held oder Wüterich? Die ehrliche Antwort weigert sich, in eine Schublade zu passen.

Diese Folge knüpft direkt an die Strigoi-Folge an – wer die noch nicht gesehen hat, sollte das vielleicht vorher nachholen.

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