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Die Blutgräfin: Was wirklich auf Schloss Čachtice geschah

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Worum es in dieser Folge geht

Die Gräfin, die im Blut von Jungfrauen badet, ist eines der berühmtesten Schreckensbilder Europas. In keinem Gerichtsprotokoll steht davon ein Wort. Im letzten Teil meiner Karpaten-Trilogie erzähle ich die Geschichte von Elizabeth Báthory, und sie ist komplizierter, dunkler und unbequemer als jede Wanne voll Blut. Eine einfache Antwort gebe ich nicht, weil es keine gibt.

Ein Name wie ein Echo

Elizabeth Báthory wurde am 7. August 1560 in eine der mächtigsten Dynastien Ungarns geboren. Sie war hochgebildet und litt als Kind vermutlich an Anfällen. 1575 heiratete sie Ferenc Nádasdy, behielt aber ihren eigenen Namen, weil ihr Stand höher war. Ihr Mann war fast ständig im Krieg, sie verwaltete die riesigen Güter. Als er 1604 starb, war sie eine reiche, mächtige Witwe.

Die Gerüchte

Schon zu Lebzeiten ihres Mannes beschwerte sich ein Pfarrer über sie, ohne Folgen. Nach 1604 hieß es, Dienstmädchen kämen von Čachtice nicht zurück. Zum Politikum wurde es erst 1609, als von toten Töchtern des niederen Adels die Rede war.

Der Palatin und der Prozess

György Thurzó, Palatin von Ungarn und ihr Cousin, ließ ab 1610 Zeugen befragen und stürmte am 29. Dezember 1610 die Burg. Den Quellen zufolge fand man ein totes und zwei schwer misshandelte Mädchen. Angeklagt wurden nur vier Bedienstete, verhört unter Folter. Ihre Opferzahlen reichen von 36 bis über 50. Die berühmte Zahl 650 beruht auf der Aussage einer Magd über das, was ein anderer angeblich gesehen hatte. Elizabeth selbst stand nie vor Gericht.

Die eingemauerte Gräfin

Thurzó setzte sich gegen den König durch und ließ sie in ihrer eigenen Burg einmauern. Am 21. August 1614 fand man sie tot.

Die andere Lesart

Seit László Nagys Buch von 1984 gibt es die Gegenthese: Báthory als Opfer einer politischen Intrige um ihr Vermögen, die Schulden der Krone und den Konflikt zwischen protestantischem Adel und katholischen Habsburgern. Tony Thorne hat diese Indizien weiter untersucht.

Das Geburtsjahr der Blutwanne

Das Bild vom Blutbad taucht erst über hundert Jahre nach ihrem Tod auf, in der Schrift eines Jesuiten aus dem 18. Jahrhundert.

Wir wissen es nicht

Die Gegenthese beweist nicht ihre Unschuld. In der Burg wurden tote und sterbende Mädchen gefunden. Was bleibt, ist ein Haushalt, in dem mit großer Wahrscheinlichkeit Gewalt herrschte, und eine Frau, die man nie aussagen ließ.

Häufige Fragen

Hat Elizabeth Báthory im Blut von Jungfrauen gebadet?

Dafür gibt es keinen Beleg aus ihrer Zeit. Die Geschichte entstand erst im 18. Jahrhundert.

Wie viele Opfer hatte Elizabeth Báthory?

Die Geständnisse der Bediensteten nennen 36 bis über 50. Die Zahl 650 beruht auf einer Aussage aus zweiter Hand und ist nicht belastbar.

War Elizabeth Báthory unschuldig?

Das lässt sich nicht sagen. Es gibt Hinweise auf echte Gewalt in ihrem Haushalt und gleichzeitig starke politische Motive gegen sie.

Über diese Folge

Eine Frau badet im Blut von Jungfrauen, um ewig jung zu bleiben. Dieses Bild kennt fast jeder — und es ist wahrscheinlich eine Erfindung.

Elizabeth Báthory, geboren 1560 als ungarische Hochadlige, ist als „Blutgräfin“ in die Geschichte eingegangen. Über 650 Opfer werden ihr zugeschrieben. Am 30. Dezember 1610 stürmte Palatin György Thurzó ihre Burg Čachtice und ließ sie festsetzen. Ihre Dienerinnen wurden hingerichtet, Báthory selbst in ihren Gemächern eingemauert, wo sie 1614 starb.

So lautet die offizielle Version. Aber die Quellen erzählen eine deutlich kompliziertere Geschichte. Die berühmte Blutbad-Legende taucht erst 1729 auf — über hundert Jahre nach ihrem Tod, niedergeschrieben von einem Jesuiten-Gelehrten, der sie nie gekannt hat. Die Prozessakten von 1611 enthalten Zeugenaussagen, die unter Folter erzwungen wurden. Und Báthory war zum Zeitpunkt ihrer Verhaftung eine der reichsten Witwen des Königreichs Ungarn, deren Vermögen die Habsburger-Krone dringend brauchte.

War sie eine sadistische Mörderin? Ein politisches Opfer? Oder etwas dazwischen — eine mächtige Frau, die das frühneuzeitliche Patriarchat nicht dulden konnte?

In dieser Folge nehmen wir das berühmteste Schreckensbild Europas auseinander. Stück für Stück, Quelle für Quelle. Von den Prozessakten des 17. Jahrhunderts bis zur modernen Geschichtsforschung. Und wir schließen damit die Karpaten-Trilogie ab — nach den Strigoi und Vlad dem Pfähler folgt nun die Frau, aus der die Nachwelt ein Monster gemacht hat. Oder die eines war.

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