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Worum es in dieser Folge geht
Im Januar 2004 graben sechs Männer im rumänischen Dorf Marotinu de Sus einen Toten aus, schneiden sein Herz heraus, verbrennen es und geben die Asche einer kranken jungen Frau zu trinken. Mit diesem Fall beginnt meine Karpaten-Trilogie. Der Strigoi ist vielleicht der älteste und langlebigste Vampir Europas, und er steckt hinter dem Bild, das wir alle vom Vampir im Kopf haben.
Das Wort
Das Wort führt über das rumänische strigă, Hexe und Schleiereule, zum lateinischen strix, dem römischen Nachtvogel, der Kindern das Blut trank. Mit der Vergrößerungsendung -oi wird daraus der große Schreier. Dieselbe Wurzel steckt in der italienischen strega, der polnischen Strzyga und der albanischen Shtriga.
Die zwei Strigoi
Der strigoi viu ist ein Lebender, dessen Seele nachts den Körper verlässt. Stirbt er, wird er meist zum strigoi mort, dem Toten, der nach Hause zurückkehrt und seiner eigenen Familie die Kraft nimmt. Tudor Pamfile hat diese Ordnung 1916 erstmals systematisch beschrieben, Agnes Murgoci 1926 auf Englisch. Gefährdet war, wer mit einer Glückshaube geboren wurde, das siebte Kind gleichen Geschlechts war, oder über wessen Leiche eine Katze sprang.
Erkennung und Abwehr
Im geöffneten Grab erkannte man den Strigoi an gerötetem Gesicht, Blut im Mund und einem prallen Körper, alles Zeichen normaler Verwesung. Man rieb Knoblauch in Türrahmen, legte Dornen aufs Grab und streute Mohnsamen, die der Strigoi zählen muss, bis die Sonne aufgeht. Half nichts, grub man ihn an einem Samstag aus und verbrannte das Herz.
Marotinu de Sus
Petre Toma wurde am 28. Dezember 2003 beerdigt. Kurz darauf erkrankte die junge Mirela Marinescu und schrie nachts, jemand sitze auf ihr. Die Männer handelten, die Tochter des Toten rief die Polizei. 2005 verurteilte das Gericht in Craiova alle sechs zu sechs Monaten auf Bewährung. Die Ermittler stießen auf Hinweise auf rund zwanzig ähnliche Fälle in der Region.
Die Erde gibt es preis
Vampirbestattungen fanden Archäologen in Drawsko und Pień in Polen, in Gliwice, im tschechischen Čelákovice und auf dem Lazzaretto Nuovo bei Venedig. Die Toten waren meist Einheimische, keine Fremden.
Wie das Wort Vampir entstand
1725 taucht das Wort „Vampyri“ in einem habsburgischen Bericht aus dem serbischen Kisiljevo auf, 1731/32 folgt der Fall Arnold Paole in Medveđa. Über die Amtsberichte gelangte der Vampir in die europäische Öffentlichkeit. 1755 schickte Maria Theresia ihren Leibarzt Gerard van Swieten, und auf seinen Bericht folgte das Verbot, Gräber zu öffnen.
Whitby, 1890
Mit Vlad Țepeș hat Bram Stokers Dracula kaum etwas zu tun. Stoker fand nur den Namen in einer Fußnote bei William Wilkinson. Sein Vampirbild stammt aus Emily Gerards Beschreibungen des siebenbürgischen Volksglaubens. Der Graf Dracula ist eher ein Strigoi als ein walachischer Fürst.
Häufige Fragen
Was ist ein Strigoi?
Ein Wiedergänger der rumänischen Folklore. Es gibt ihn als lebenden Menschen mit gefährlichen Kräften und als Toten, der zu seiner Familie zurückkehrt.
Was geschah 2004 in Marotinu de Sus?
Sechs Männer exhumierten einen Verstorbenen, verbrannten sein Herz und gaben die Asche einer Kranken zu trinken. Sie wurden 2005 zu Bewährungsstrafen verurteilt.
Mehr im Lexikon: Strigoi.
Über diese Folge
Im Januar 2004 graben sechs Männer in einem rumänischen Dorf einen 76-jährigen Toten aus. Sie öffnen den Sarg. Sie schneiden seinen Brustkorb auf. Sie nehmen sein Herz heraus, verbrennen es an einem Kreuzweg und geben die Asche einer kranken jungen Frau zu trinken. Sie sagen, sie hätten ihr damit das Leben gerettet. Sie sagen, der Mann unter der Erde sei zu einem Strigoi geworden.Das ist keine mittelalterliche Folklore. Das ist 2004. Mit Polizei, mit Gerichtsurteil – und mit rund zwanzig weiteren, ähnlichen Fällen, die im selben Dorf vorher schon stattgefunden hatten.In dieser Folge nehme ich euch mit auf eine Reise durch eine der ältesten und langlebigsten Vampirfiguren Europas: den rumänischen Strigoi. Wir klären, woher das Wort kommt (Spoiler: viel weiter zurück, als ihr denkt), warum es zwei Arten von Strigoi gibt, wie man laut Folklore zu einem wird, und wie man ihn wieder loswird. Wir reisen nach Marotinu de Sus, dem Dorf in Oltenien, in dem 2004 der wohl letzte dokumentierte Vampirmord Europas geschah. Wir sehen uns archäologische „Vampirbestattungen“ in Polen, Tschechien und Venedig an. Wir verfolgen, wie aus serbischen Dorfgeschichten im 18. Jahrhundert das wurde, was wir heute „den Vampir“ nennen – mit Maria Theresia, ihrem Leibarzt Gerard van Swieten und einem kaiserlichen Edikt im Zentrum. Und am Ende beantworten wir die Frage, die niemand wirklich beantworten will: Wie viel von Bram Stokers Dracula stammt eigentlich aus Vlad Țepeș? Die Antwort wird euch überraschen.Eine Vorschau auf die nächste Folge gibt es am Ende – denn Vlad Țepeș, der echte historische Pfähler, bekommt seine eigene.