Was ist ein Strigoi?
In Rumänien unterscheidet die Überlieferung zwei Arten. Der strigoi viu ist ein lebender Mensch, der mit besonderen Zeichen geboren wurde und nachts seine Seele ausschicken kann, um Vieh, Ernte oder Menschen zu schaden. Der strigoi mort ist ein Toter, der aus dem Grab zurückkehrt, seine Familie heimsucht und ihr die Lebenskraft nimmt. Oft heißt es, ein lebender Strigoi werde nach seinem Tod zum toten.
Herkunft des Wortes
Das Wort geht auf das lateinische strix zurück, eine kreischende Nachteule, die schon in der Antike als Unheilsvogel galt und mit Hexen verbunden wurde. Verwandt sind die Striga der polnischen und slowakischen Überlieferung und die italienische strega, die Hexe.
Abwehr
Wer einen Strigoi vermutete, öffnete das Grab. Ein Toter, der nicht verwest war oder dessen Lage sich verändert zu haben schien, galt als Beweis. Das Herz wurde herausgeschnitten und verbrannt, manchmal mischte man die Asche mit Wasser und gab sie Kranken zu trinken. Knoblauch, Weihwasser und Pfähle gehören ebenfalls zum Repertoire.
Ein Fall aus dem Jahr 2004
Im Januar 2004 öffneten Männer im Dorf Marotinu de Sus in Oltenien das Grab eines kurz zuvor verstorbenen Verwandten. Sie entnahmen sein Herz, verbrannten es an einer Wegkreuzung und gaben die Asche einer kranken jungen Frau zu trinken. Der Fall kam vor Gericht und wurde europaweit bekannt.
Vom Strigoi zum Vampir
Das Bild des modernen Vampirs entstand im 18. Jahrhundert aus Berichten über Grabschändungen in Serbien und anderen Grenzgebieten der Habsburgermonarchie. Maria Theresia ließ ihren Leibarzt Gerard van Swieten solche Fälle prüfen. Auf seinen Bericht folgte ein kaiserliches Verbot, Gräber aus Vampirfurcht zu öffnen. Mit Vlad III. hat Bram Stokers Dracula dagegen kaum etwas zu tun: Stoker fand nur den Namen 1890 in einer Fußnote bei William Wilkinson. Sein Bild des Vampirs stammt zu einem großen Teil aus dem siebenbürgischen Volksglauben, wie ihn Emily Gerard 1885 und 1888 beschrieben hatte, und damit aus der Welt des Strigoi. Die Gleichsetzung von Dracula und Vlad geht erst auf Radu Florescu und Raymond McNally 1972 zurück.