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Worum es in dieser Folge geht
Das Finale meiner vierteiligen Reihe über die echten Mythen hinter den Monstern aus The Witcher führt aus der slawischen Welt hinaus nach Portugal, Spanien und Galicien. Im Spiel ist die Bruxa eine schöne, tödliche Vampirin. Im Volksglauben ist sie ein Albtraum über der Wiege.
Vereena
In Sapkowskis Erzählung „Ein Körnchen Wahrheit“ von 1989 begegnet Geralt der Bruxa Vereena, die den verfluchten Nivellen liebt. Sie tötet mit einem Schrei, wie zuvor die Striga. Die Erweiterung Blood and Wine machte die Bruxa 2016 zur eleganten höheren Vampirin. Der Schrei, die tragische Liebe und der edle Status sind Erfindung.
Die echte Bruxa
Der portugiesische Volksglaube trennt die feiticeira, die Zauberin gegen Bezahlung, von der bruxa, der Frau, die nachts als Vogel durch Ritzen in die Häuser dringt und Säuglingen das Blut aussaugt. Oswald Crawfurd hat diesen Glauben 1880 beschrieben, José Leite de Vasconcelos ab 1882 dokumentiert. Gegen sie halfen eine offene Schere in Kreuzform, Brot, Salz, Knoblauch und ein rotes Wollband.
Die Strix
Woher das Wort Bruxa kommt, ist umstritten. Das Wesen selbst aber ist alt: Es ist die römische strix, die schon bei Ovid Kindern in der Wiege das Blut trinkt. Aus ihr wurden die italienische strega, der rumänische Strigoi, die polnische Strzyga. Die Striga aus Teil 2 und die Bruxa sind dasselbe Wesen in zwei Sprachen. In Asturien kennt man mit der guaxa sogar eine Verwandte, deren Name Aurelio de Llano 1922 von der strix herleitete.
Zugarramurdi
Wie der Glaube zur Verfolgung wird, zeigt der baskische Hexenprozess von 1609 bis 1614. Sechs Menschen wurden 1610 in Logroño lebendig verbrannt, bis der Inquisitor Alonso de Salazar Frías die Geständnisse prüfte und keine Beweise fand. In Portugal selbst gab es übrigens nie eine große Hexenjagd.
Was dahintersteckt
Drei Dinge: die hohe Säuglingssterblichkeit, die Schlafparalyse, bei der man wach und gelähmt ein Gewicht auf der Brust spürt, und der Sündenbock, meist alte, arme, alleinstehende Frauen, Heilerinnen und Hebammen. Zum Schluss blicke ich auf die ganze Reihe zurück: drei weibliche Monster an Feld, Wiege und Bett, ein männliches im Wald, und über allen dieselbe uralte Ahnin.
Häufige Fragen
Was ist eine Bruxa?
Im portugiesischen und galicischen Volksglauben eine Hexe, die nachts als Vogel in Häuser eindringt und Säuglinge angreift. In The Witcher ist sie eine Vampirin.
Sind Bruxa und Striga verwandt?
Ja. Beide gehen auf die römische strix zurück, den Nachtvogel, der Kindern das Blut trinkt.
Mehr im Lexikon: Bruxa.
Über diese Folge
Das große Finale unserer vierteiligen Reihe über die echten Mythen hinter den Monstern aus „The Witcher“ führt uns weg von den slawischen Wäldern – in den Süden, nach Portugal, Spanien und Galicien. Dort wartet die Bruxa: im Spiel eine wunderschöne, tödliche Vampirin, im echten Volksglauben eine kindsmordende Nachthexe, die sich in einen Vogel verwandelt und durch jede Ritze kommt.Wir folgen ihrer Spur zurück bis ins alte Rom – zur strix bei Ovid – und schließen damit den Kreis zur Striga aus Teil 2: Denn Bruxa und Strzyga sind in Wahrheit dasselbe uralte Wesen. Wir besuchen die baskischen Hexenprozesse von Zugarramurdi, treffen den Inquisitor Salazar Frías, der die spanischen Hexenverbrennungen beendete – und fragen ein letztes Mal: Wer erzählt eine Geschichte, und warum?
📖 Weiterführende Quellen & Literatur:
• Andrzej Sapkowski: „Ein Körnchen Wahrheit“ (Ziarno prawdy, 1989; in „Der letzte Wunsch“)
• Oswald Crawfurd: Portugal, Old and New (1880) – Bruxa-Folklore Nordportugals
• José Leite de Vasconcelos: Tradições Populares de Portugal (1882 ff.)
• Ovid: Fasti, Buch 6 (um 8 n. Chr.) – die strix
• Daniel Ogden: The Strix-Witch (Cambridge University Press, 2021)
• Carmelo Lisón Tolosana: Brujería, estructura social y simbolismo en Galicia (1979)
• Julio Caro Baroja: Las brujas y su mundo (1961)
• Gustav Henningsen: The Witches‘ Advocate – Basque Witchcraft and the Spanish Inquisition (1980)
• Carlo Ginzburg: Die Benandanti (1966) & Hexensabbat / Ecstasies (1989)
• José Miguel de Barandiarán: Diccionario de mitología vasca
• Aurelio de Llano: Del folklore asturiano (1922) – die guaxa
Diese Folge berührt historische Hexenverfolgung, Kindstod und Gewalt an Frauen.
Passt gut auf euch auf.