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Striga

Die Striga (polnisch Strzyga) ist ein Wesen der polnischen Volksüberlieferung: ein Mensch mit zwei Seelen, von denen eine nach dem Tod weiterlebt und die Lebenden heimsucht.

Was ist eine Striga?

Nach polnischem Volksglauben kommen manche Menschen mit zwei Seelen zur Welt. Man erkannte sie an Zeichen wie zwei Herzen oder zwei Reihen Zähnen. Stirbt ein solcher Mensch, geht nur eine Seele ins Jenseits. Die andere bleibt im Körper, und der Tote wird zur strzyga oder zum strzygoń, der nachts zurückkehrt und Menschen und Vieh schadet.

Herkunft des Wortes

Der Sprachforscher Aleksander Brückner führte das Wort auf das lateinische strix zurück, den kreischenden Nachtvogel der Römer. Ovid erzählt in den Fasti, wie solche Vögel nachts an die Wiege des Knaben Proca kommen und ihm das Blut aussaugen. Aus derselben Wurzel stammen auch der rumänische Strigoi und die iberische Bruxa.

Gräber mit Sicheln

Archäologische Funde zeigen, wie ernst man die Furcht nahm. Auf dem Friedhof von Drawsko lagen Tote, denen man eine Sichel über den Hals gelegt hatte, damit sie sich beim Aufstehen selbst köpfen würden. 2022 fand ein Team um Dariusz Poliński in Pień eine Frau mit Sichel am Hals und einem Vorhängeschloss am Zeh. Die Medien nannten sie „Zosia“.

Von der Sage zur Fantasy

Roman Zmorski veröffentlichte 1852 das Märchen „Strzyga“ über eine verfluchte Königstochter, die nachts aus ihrer Gruft steigt. Andrzej Sapkowski machte daraus 1986 die erste Witcher-Geschichte. Die Literaturwissenschaftlerin Magdalena Roszczynialska hat 2003 untersucht, wie eng Sapkowskis Erzählung dem Märchen folgt.

Folge zum Thema

Literatur

  • Roman Zmorski: „Strzyga“, in: Podania i baśni ludu w Mazowszu, 1852.
  • Andrzej Sapkowski: „Wiedźmin“, in: Fantastyka, 1986.
  • Magdalena Roszczynialska: „Nowa baśń: ‚Strzyga‘ Romana Zmorskiego i ‚Wiedźmin‘ Andrzeja Sapkowskiego“, 2003.
  • Aleksander Brückner: Mitologia słowiańska i polska.
  • Lesley Gregoricka u. a.: „Apotropaic Practices and the Undead“, PLOS ONE, 2014.
  • Paul Barber: Vampires, Burial, and Death, Yale University Press 1988.

Dieser Eintrag auf Englisch: Grey Tales →

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